Rothenburg hat den Bären wieder

Fränkischer Anzeiger vom 10. 09. 2009 | Rubrik „Aus der heimischen Wirtschaft – Das erste Bio-Hotel Frankens“

ROTHENBURG – Mit den besten Wünschen für die Zukunft des Hauses und mit der Verleihung des goldenen Umweltsiegels für das Gastgewerbe ist gestern das Hotel „Zum Bären“ – nach der Interimszeit als Hotel-Garni – als Vollbetrieb wiedereröffnet und als erstes Bio-Hotel in Franken gefeiert worden. Umweltstaatssekretärin Melanie Huml (CSU) kam persönlich, um dem Pächterpaar zu gratulieren zu seinem Konzept, das Ökologie und Ökonomie miteinander verbindet.

Beim strengen Umwelttest für das Siegel hat das Bio-Hotel 287 von 300 möglichen Punkten erreicht und mit Bravour abgeschnitten. Obwohl es beispielsweise bei der Energieoptimierung der wertvollen historischen Bausubstanz des Hauses eine ganz harte Nuss zu knacken galt. Die Umweltstaatsse retärin sprach in diesem Zusammenhang vom schwierigen Spagat zwischen Klimaschutz und Denkmalschutz. Als intelligente Lösung nannte sie die Wärmedämmung der Zimmer von innen.Nach den Worten der Umweltstaatssekretärin hat das erste Bio-Hotel in Franken die Auszeichnung aufgrund seines nachhaltigen Betriebskonzeptes mit den drei Hauptaspekten Regionalität, Biolebensmittel und betrieblicher Um weltschutz erhalten. Das in den ältesten Teilen aus dem 16. Jahrhundert stammende Haus sei „energieoptimiert renoviert“ worden, und zwar unter Einsatz umweltfreundlicher Technologien und Naturmaterialien. Der Strom wird aus erneuerbaren Energien gewonnen. Die intelligente Steuerung der Beleuchtung und energiesparende Geräte in Küche und Waschküche sorgen für geringen Verbrauch. Das Hotel verwendet ausschließlich Bio-Lebensmittel und regionale Produkte. Groß war die Freude unter den Gästen aus Politik, Wirtschaft und Verbänden bei der kleinen Feierstunde im frisch herausgeputzten vorderen Drittel des ruhmreichen Bären-Saals über dieses neue Kapitel des Traditionshauses. Schließlich hat der Name immer noch Klang in Rothenburg, auch wenn das Haus bis vor drei Jahren schwere Zeiten durchzumachen hatte. Landrat Rudolf Schwemmbauer fühlte sich prompt an den einstigen Glanz erinnert, als es hinauf in den „Bären“-Saal ging. Hier sei früher so manch rauschendes Fest gefeiert worden, erzählte er der Umweltstaatssekretärin begeistert. Oberbürgermeister Walter Hartl wünschte den Pächtern in seinem Grußwort, ihnen möge es gelingen, an die großen Zeiten anzuknüpfen, als das Haus eine ganz herausragende Bedeutung unter den führenden Häusern der Stadt hatte. Dem schloss sich Dieter Gallus als Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes an. Mit seinen großen gesellschaftlichen Veranstaltungen wie Reiterball, Schützenball und Gastronomenball sei das Haus für Rothenburg früher etwas ganz besonderes gewesen. So mancher unter den Gästen der Feier erinnerte sich mit glänzenden Augen an etwas ganz anderes, was den „Bären“ früher auch noch ausmachte. Dort gab es, sozusagen als Vorläufer zum späteren Hallenbad an der Nördlinger Straße, ein öffentliches Schwimmbad, das sich recht guten Zuspruchs erfreute. Der Abstieg des „Bären“ begann mit dem Verkauf im Jahr 1996. Die bis dahin in drei Generationen erfolgreich wirkende Hoteliersfamilie Müller konnte das Haus nicht mehr halten und musste es veräußern, obwohl es zuletzt unter Gourmets einen ausgezeichneten Ruf hatte. Olaf Kappelt hieß der neue Eigentümer. Er brachte das Haus mit seinen „Rittermahl“-Essen und Erotik-Angeboten negativ in die Schlagzeilen und wirtschaftete es herunter. Im Jahr 2000 kam es zum Konkurs, in dessen Folge die Immobilie in der Hofbronnengasse geteilt und stückweise verkauft wurde. 2006 erwarben Peter und Manuela Diller das Haupthaus mit Übernachtungshaus gegenüber, machten ein Hotel-Garni daraus und ließen das Kernstück des „Bären“ wieder in ruhigeres Fahrwasser kommen. Als Küchenchefin Jo Prümen (38) und Hotelmeister Marcus Paweletz (46) sich jetzt nach sieben Jahren „Krone“ Diebach in Rothenburg umschauten, um dort ihre gastronomischen Pläne fortzuführen, trafen sich die Interessen. Die Familie Diller gab das Haus zur Pacht ab. Seit Mitte Juli wird der „Bären“ nun umfassend renoviert. Weitgehend abgeschlossen sind die Arbeiten in der Lounge, in der Weinstube, in der Küche und im besagten Teil des rund 200 Leute fassenden Saales. Vier der insgesamt 27 Gästezimmer sind inzwischen auf Biostandard, d.h. mit Landhaus-Möbeln und Öko-Teppich ausgestattet. Das Restaurant mit 60 Plätzen soll in 14 Tagen eröffnet werden. Dort muss noch der Bretterboden verlegt, die Vertäfelung überarbeitet und möbliert werden. Der Saal soll dann im nächsten Jahr fertig werden. Dort könnte es durchaus auch Tanzkurse und Yoga-Angebote geben, wenn es nach Jo Prümen geht. Die legendäre Bar im zweiten Stock? Auch sie könnte wieder aktiviert werden, allerdings erst später. Und das Hallenbad? Eventuell werde das in ein paar Jahren zum Wellnessbereich. Zum Speisen aufgetischt werden soll im „Bären“ nach gleichem Muster wie zuletzt in der „Krone“. Das heißt, Ideen aus alten Kochbüchern werden modern umgesetzt, und zwar mit frischen Bio-Zutaten ausder Region. Mittags gibt es Kleinigkeiten, unter anderem auch Suppen und Salat. Bei der Eröffnung, die mit einem „Tag der offenen Tür“ kombiniert war, wurden als besondere Gaumenfreunden unter anderem Filet vom roten Trommler mit Dill-Creme, Spieße mit Fallafel und Aprikose, Couscous-Hirtensalat, bunten Linsen-Garnelen-Salat und Mini-Quiche gereicht. Dazu erklangen Jazz-Melodien. Zum Gratulieren kamen unter anderem auch Thomas Richter von Verband Bio-Hotel und Josef Wetzstein von Bioland sowie Jutta Knaack, die als Geschäftsführerin die in Urlaub weilende Familie Diller vertrat.